Ein Girokonto gehört für die meisten Menschen in Deutschland zur finanziellen Grundausstattung, doch was es kostet, unterscheidet sich von Bank zu Bank erheblich. Nach einer aktuellen Untersuchung zahlen Kontoinhaber im Durchschnitt rund 125 Euro pro Jahr für ihr Girokonto, während als Richtwert für ein günstiges Konto häufig maximal 60 Euro jährlich genannt werden. Eine Verivox-Umfrage aus dem April 2026 zeigt zudem, dass etwa 80 Prozent der Befragten für ihr hauptsächlich genutztes Konto überhaupt Gebühren zahlen und bei rund 22 Prozent die Kosten in den vergangenen zwölf Monaten sogar gestiegen sind. Wer sein Konto seit Längerem nicht mehr verglichen hat, zahlt womöglich mehr, als für die eigenen Bedürfnisse nötig wäre.
Auf einen Blick
- Girokonten kosten Kontoinhaber in Deutschland im Schnitt rund 125 Euro pro Jahr, deutlich mehr als der empfohlene Richtwert von etwa 60 Euro.
- Viele Filialbanken haben ihre Kontomodelle 2026 umgestellt oder verteuert, etwa die Postbank, die Deutsche Bank und mehrere Sparkassen.
- Onlinekonten sind häufig kostenlos, oft an Bedingungen wie einen monatlichen Mindestgeldeingang oder ein Höchstalter geknüpft.
- Neben der Grundgebühr zählen Kartenkosten, Bargeldabhebungen und Gebühren für Echtzeitüberweisungen zur tatsächlichen Kostenbelastung.
- Ein genauer Vergleich der eigenen Kontonutzung hilft dabei, das passende Modell zwischen Filial- und Onlinekonto zu finden.
Was sich 2026 bei den Kontogebühren verändert hat
Die Preisunterschiede zwischen den Anbietern sind im laufenden Jahr weiter gewachsen. Während zahlreiche Sparkassen und Volksbanken ihre Kontomodelle verteuert haben, halten viele Onlinebanken weiterhin an kostenlosen Angeboten fest. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei der Postbank: Das bisherige Einstiegskonto Giro direkt mit einer Grundgebühr von 1,90 Euro monatlich wird seit Februar 2025 nicht mehr neu vergeben, bestehende Kundinnen und Kunden mussten bis zum 31. März 2026 einer Umstellung auf das Modell Giro plus zustimmen. Dessen Grundpreis liegt bei 5,90 Euro im Monat, wer weniger als 1.000 Euro monatlichen Geldeingang nachweisen kann, zahlt 6,90 Euro. Auch das gehobene Modell Giro extra plus wurde zum 1. April 2026 von 10,90 auf 11,90 Euro angehoben, bleibt aber bei mindestens 3.000 Euro monatlichem Geldeingang weiterhin kostenlos.
Auch die Deutsche Bank hat ihr Kontomodell umgestellt: Das AktivKonto kostet seither 6,90 Euro im Monat, was aufs Jahr gerechnet 82,80 Euro ergibt. Für Kundinnen und Kunden unter 30 Jahren entfällt die Grundgebühr. Hinzu kommen bei Bedarf weitere Kosten, etwa 39 Euro pro Jahr für eine Mastercard Standard oder 18 Euro pro Jahr für die Deutsche Bank Card Plus als Girocard. Bei Sparkassen wiederum ist die Spannbreite besonders groß: Die Stadtsparkasse München verlangt für ihr Onlinekonto vergleichsweise günstige 2,95 Euro im Monat, während andere Institute wie die Aachener Sparkasse bei rund 8 Euro monatlich liegen. Bei klassischen Filialkonten mit persönlicher Beratung vor Ort liegen die Preise bei vielen Sparkassen und Genossenschaftsbanken nochmals höher.
Diese Kontomodelle zeigen die Bandbreite 2026
Die folgende Übersicht zeigt beispielhaft, wie unterschiedlich aktuelle Kontomodelle bei Grundgebühr, Kartenkosten und Bedingungen für ein kostenloses Konto aufgebaut sind:
Beispielhafte Kontomodelle ausgewählter Anbieter, Stand Juli 2026. Konditionen können sich jederzeit ändern, maßgeblich sind stets die aktuellen Preis- und Leistungsverzeichnisse der jeweiligen Bank.
Woran ein Konto kostenlos bleibt: Geldeingang, Alter und Aktivität
Bei vielen sogenannten kostenlosen Konten ist der Verzicht auf die Grundgebühr an Bedingungen geknüpft. Am häufigsten verlangt wird ein monatlicher Mindestgeldeingang, oft zwischen 500 und 1.000 Euro, teils auch deutlich höher, wie im Fall der Postbank Giro extra plus mit 3.000 Euro. Wird dieser Betrag in einem Monat nicht erreicht, wird häufig automatisch die reguläre Grundgebühr fällig. Eine zweite verbreitete Ausnahme ist das Alter: Zahlreiche Banken bieten ihr reguläres Konto für Kundinnen und Kunden unter 28 oder 30 Jahren automatisch kostenlos an, unabhängig vom Geldeingang, mit der Idee, junge Menschen als langfristige Kunden zu gewinnen. Reine Online- und Neobanken wie N26 verzichten bei ihrem Basiskonto häufig ganz auf solche Bedingungen, begrenzen dafür aber beispielsweise die Zahl der kostenlosen Bargeldabhebungen pro Monat.
Kartenkosten und Bargeldabhebungen: Der oft übersehene Kostenblock
Neben der monatlichen Grundgebühr lohnt sich ein Blick auf Kosten, die auf den ersten Blick leicht übersehen werden. Dazu zählen Gebühren für eine zusätzliche Kreditkarte, für Abhebungen am Geldautomaten außerhalb des eigenen Bankverbunds und für Echtzeitüberweisungen. Bei der Deutschen Bank etwa kostet eine Mastercard Standard 39 Euro im Jahr zusätzlich zur Kontoführung, während Bargeld an den rund 7.000 Automaten der Cash Group in der Regel ohne zusätzliche Gebühr möglich ist. Bei vielen Direktbanken ist die erste Karte im Kontopreis enthalten, dafür sind Abhebungen im Ausland oder über die dritte oder vierte Abhebung im Monat hinaus mit einer festen Gebühr verbunden, häufig im Bereich von etwa 2 Euro pro Abhebung.
Worauf es beim eigenen Vergleich ankommt
Die günstigste Grundgebühr allein sagt wenig darüber aus, wie teuer ein Konto in der eigenen Nutzung tatsächlich wird. Wer regelmäßig im Ausland Bargeld abhebt, mehrere Karten benötigt oder häufig Echtzeitüberweisungen nutzt, sollte diese Posten in den Vergleich einbeziehen. Ebenso wichtig ist die Frage, ob der monatliche Geldeingang zuverlässig über der jeweiligen Freigrenze liegt, da sonst aus einem vermeintlich kostenlosen Konto schnell ein kostenpflichtiges werden kann.
Filialkonto oder Onlinekonto: Welche Frage sich stellt
Die Entscheidung zwischen einem klassischen Filialkonto und einem reinen Onlinekonto hängt letztlich davon ab, wie wichtig persönliche Beratung vor Ort und wie hoch die Bereitschaft ist, Bankgeschäfte überwiegend per App oder am Computer zu erledigen. Filialbanken wie Sparkassen, Volksbanken, die Postbank oder die Deutsche Bank punkten in der Regel mit einem dichten Netz an Geschäftsstellen und Geldautomaten sowie persönlicher Ansprache, verlangen dafür aber meist eine höhere Grundgebühr. Reine Onlineanbieter wie N26 verzichten häufiger auf eine Grundgebühr, begrenzen im Gegenzug aber typischerweise die Zahl kostenloser Bargeldabhebungen und bieten keine physischen Filialen für die Beratung vor Ort.
Wer aktuell mit den Kosten des eigenen Kontos unzufrieden ist, sollte zunächst die eigene Nutzung realistisch einschätzen: Wie oft wird Bargeld benötigt, wie hoch ist der monatliche Geldeingang, und wie wichtig ist eine Filiale in der Nähe? Auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, ob ein Wechsel zu einem günstigeren Modell sinnvoll ist oder ob die zusätzlichen Leistungen eines teureren Kontos die höhere Gebühr rechtfertigen.
- Grundgebühr und Bedingungen prüfen: Gilt das Konto nur bei Mindestgeldeingang oder unter einer bestimmten Altersgrenze als kostenlos?
- Kartenkosten einbeziehen: Zusätzliche Kreditkarten oder Premium-Girocards kosten oft separat.
- Abhebungen zählen: Wie viele kostenlose Bargeldabhebungen sind im eigenen Nutzungsverhalten realistisch nötig?
- Geldeingang realistisch einschätzen: Schwankendes Einkommen kann eine vermeintlich kostenlose Bedingung gefährden.
- Regelmäßig neu vergleichen: Banken passen ihre Kontomodelle, wie 2026 bei Postbank und Deutscher Bank zu sehen, in unregelmäßigen Abständen an.
Am Ende zeigt der Vergleich der Kontomodelle 2026 vor allem eines: Die Spanne zwischen günstigen und teuren Girokonten ist größer geworden, und pauschale Aussagen darüber, welches Konto sich lohnt, greifen zu kurz. Wer die eigene Kontonutzung kennt und die Bedingungen für ein kostenloses Konto im Blick behält, kann die jährliche Kostenbelastung spürbar senken, ohne auf wichtige Leistungen verzichten zu müssen.
Quellen: Biallo, Girokonto-Preisunterschiede 2026, Biallo, Postbank Giro direkt und Giro plus 2026, Kontoguru, Kontoführungsgebühren im Vergleich, Reisetopia, Deutsche Bank Kontoführungsgebühren 2026 und inFranken, Umfrage zu Girokonto-Kosten 2026. Alle genannten Konditionen sind Beispiele und können sich jederzeit ändern; maßgeblich sind stets die aktuellen Preis- und Leistungsverzeichnisse der jeweiligen Bank.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Finanz-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Zinssätze, Konditionen und Angebote können sich jederzeit ändern. Vor finanziellen Entscheidungen empfiehlt sich eine unabhängige Beratung durch eine qualifizierte Fachperson.