Für viele Haushalte in Deutschland gehören Strom- und Gaskosten zu den größten regelmäßigen Ausgabenposten neben Miete und Lebensmitteln. Das Jahr 2026 zeigt bei der Energiepreisentwicklung ein gemischtes Bild: Auf der einen Seite sorgten niedrigere Netzentgelte und der Wegfall der Gasspeicherumlage für spürbare Entlastung. Auf der anderen Seite ließ ein Anstieg der Großhandelspreise im Frühjahr, ausgelöst durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten, einen Teil dieser Entlastung wieder schrumpfen. Wer seine Energiekosten aktuell einordnen möchte, sollte deshalb genauer hinschauen, welche Faktoren die eigene Rechnung tatsächlich beeinflussen.
Auf einen Blick
- Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte liegt laut BDEW-Strompreisanalyse bei rund 37,0 Cent pro kWh, Stand April 2026.
- Bei Bestandskunden liegt der Gaspreis laut Check24 bei etwa 11,6 Cent pro kWh, Neukundentarife sind teils deutlich günstiger.
- Die Netzentgelte sind 2026 im Schnitt um 17,6 Prozent beziehungsweise 1,95 Cent pro kWh gegenüber 2025 gesunken.
- Ein Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro für die Übertragungsnetzbetreiber trägt maßgeblich zur Entlastung bei den Netzentgelten bei.
- Die Bundesnetzagentur arbeitet seit Mai 2026 an einer grundlegenden Reform der Netzentgeltsystematik.
Wie sich die Strompreise 2026 entwickelt haben
Die Preisentwicklung bei Strom lässt sich 2026 nicht auf eine einzige Kennzahl reduzieren, da unterschiedliche Erhebungen verschiedene Kundengruppen abbilden. Das Vergleichsportal Verivox weist für Wechselkunden und einen Marktdurchschnitt einen Wert von rund 31,1 Cent pro Kilowattstunde aus, Stand Juli 2026, wobei reine Neukundentarife häufig günstiger liegen, teils bei etwa 23 Cent pro Kilowattstunde. Die BDEW-Strompreisanalyse, die eine breitere Basis aus Grundversorgungs- und Bestandstarifen einbezieht, kommt für April 2026 auf einen Durchschnittswert von 37,0 Cent pro Kilowattstunde. Diese Differenz erklärt sich vor allem durch die unterschiedliche Zusammensetzung der jeweils betrachteten Kundengruppen und sollte bei jedem Vergleich mitgedacht werden.
Aufgeschlüsselt nach Kostenbestandteilen ergibt sich laut BDEW für den durchschnittlichen Haushaltsstrompreis folgendes Bild: Beschaffung und Vertrieb machen etwa 15,2 Cent pro Kilowattstunde aus, die Netzentgelte rund 9,3 Cent, und Steuern, Abgaben und Umlagen zusammen etwa 12,6 Cent. Damit entfällt ungefähr ein Viertel des Strompreises auf die Netzentgelte, ein weiteres knappes Drittel auf Steuern und Abgaben, während der größte Anteil auf Beschaffung und Vertrieb entfällt.
Zusammensetzung des durchschnittlichen Haushaltsstrompreises nach BDEW-Strompreisanalyse, Stand April 2026. Regionale Abweichungen sind möglich.
Netzentgelte: Warum Haushalte 2026 spürbar entlastet wurden
Ein wesentlicher Grund für die insgesamt moderatere Strompreisentwicklung 2026 liegt bei den Netzentgelten. Seit dem 12. Dezember 2025 gilt ein Gesetz, das den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern einen Bundeszuschuss aus dem Klima- und Transformationsfonds in Höhe von 6,5 Milliarden Euro für das Jahr 2026 zuweist. Ziel dieses Zuschusses ist es, die Kosten des Netzausbaus nicht vollständig über die Netzentgelte an die Verbraucher weiterzugeben. Nach Angaben der Bundesregierung führt dieser Zuschuss zu einer Entlastung von schätzungsweise 1,2 bis 2 Cent pro Kilowattstunde bei den Netzentgelten. In der Summe sind die Netzentgelte 2026 bundesweit im Durchschnitt um 17,6 Prozent beziehungsweise 1,95 Cent pro Kilowattstunde gegenüber 2025 gesunken, wenngleich es regionale Unterschiede gibt, da die Höhe der Netzentgelte je nach Netzbetreiber und Region variiert.
Zusätzlich zur Entlastung bei den Netzentgelten wurde 2026 auch die sogenannte Gasspeicherumlage abgeschafft, die zuvor zur Finanzierung der Gasspeicherbefüllung erhoben wurde. In Kombination mit den niedrigeren Netzentgelten kann dies Haushalten nach Berechnungen aus der Berichterstattung zu den Entlastungsmaßnahmen eine Ersparnis von bis zu 160 Euro im Jahr bringen, wobei die tatsächliche Höhe vom individuellen Verbrauch abhängt.
Warum die Entlastung nicht überall gleich stark ankommt
Trotz der niedrigeren Netzentgelte ist die Entlastung bei den Haushalten 2026 nicht ungebremst angekommen. Im März 2026 sorgte ein Anstieg der Großhandelspreise für Erdgas, ausgelöst durch geopolitische Spannungen im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten, für höhere Beschaffungskosten, die sich auch auf die Strompreise auswirkten, da Gaskraftwerke einen wichtigen Teil der Stromerzeugung abdecken. Der BDEW weist zwar darauf hin, dass die Haushaltsstrompreise 2026 insgesamt weiterhin unter dem Vorjahresniveau liegen, vor allem wegen der niedrigeren Netzentgelte, doch der Effekt fiel geringer aus, als es allein durch die Netzentgeltsenkung zu erwarten gewesen wäre.
Beim Gaspreis zeigt sich ein ähnliches Bild wie beim Strom: Neukundentarife liegen laut Check24 aktuell bei etwa 9 Cent pro Kilowattstunde, während Bestandskunden im Schnitt rund 11,6 Cent pro Kilowattstunde zahlen und Kunden in der Grundversorgung mit etwa 13,6 Cent pro Kilowattstunde am meisten belastet werden. Wer seit längerem denselben Vertrag hat und nicht aktiv verglichen hat, zahlt damit oft deutlich mehr als technisch notwendig wäre.
Die geplante Reform der Netzentgeltsystematik
Über die kurzfristige Entlastung hinaus arbeitet die Bundesnetzagentur seit dem 27. Mai 2026 an einer grundlegenden Reform der sogenannten Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom, kurz AgNes. Für private Haushalte soll sich an der grundsätzlichen Struktur aus Grundpreis und verbrauchsabhängigem Arbeitspreis zunächst nichts ändern, allerdings sollen Netzbetreiber künftig gedeckelten Grundpreisen unterliegen. Betreiber von Solaranlagen sollen nach den bisherigen Plänen mit etwas höheren Grundgebühren rechnen, während große Industriekunden auf eine stärker leistungsbezogene Preisstruktur umgestellt werden sollen. Ein vollständiger Konsultationsentwurf wird für den Sommer 2026 erwartet, eine endgültige Rahmenregelung soll bis Ende 2026 stehen, während Regeln für zeitvariable Tarife erst für 2027 vorgesehen sind.
Was Verbraucher aus der Reformdebatte mitnehmen sollten
Die Netzentgeltreform ist ein längerfristiger Prozess und wird sich nicht von heute auf morgen auf die eigene Stromrechnung auswirken. Wichtiger für den kurzfristigen Geldbeutel bleibt der eigene Tarif: Ein Vergleich zwischen Grundversorgung und Wechseltarifen kann oft mehr bewirken als das Abwarten auf regulatorische Änderungen.
Praktische Tipps für den eigenen Vergleich
Angesichts der unterschiedlichen Preisniveaus zwischen Grundversorgung, Bestandstarifen und Neukundenangeboten lohnt sich für viele Haushalte ein regelmäßiger Blick auf den eigenen Vertrag. Wer seit Jahren nicht gewechselt hat, zahlt häufig einen sogenannten Bestandskundenaufschlag, ohne dass eine bessere Leistung dahintersteht. Bei einem Wechsel empfiehlt es sich, nicht nur auf den reinen Arbeitspreis zu achten, sondern auch auf die Vertragslaufzeit, mögliche Preisgarantien und die Bonität des jeweiligen Anbieters.
- Aktuellen Verbrauch kennen: Der Jahresverbrauch aus der letzten Abrechnung ist die Grundlage für einen aussagekräftigen Vergleich.
- Grundversorgung meiden, wenn möglich: Wechseltarife liegen häufig spürbar unter den Preisen der Grundversorgung.
- Preisgarantien prüfen: Eine befristete Preisgarantie kann vor kurzfristigen Erhöhungen schützen, bindet aber oft an eine Mindestlaufzeit.
- Bonität des Anbieters beachten: Nicht nur der Preis, auch die Zuverlässigkeit des Versorgers spielt eine Rolle.
- Regelmäßig neu vergleichen: Angesichts schwankender Großhandelspreise können sich günstige Angebote innerhalb weniger Monate ändern.
Insgesamt zeigt sich für 2026 ein Bild aus gegenläufigen Kräften: strukturelle Entlastung bei den Netzentgelten auf der einen Seite, kurzfristige Preisschwankungen an den Großhandelsmärkten auf der anderen. Für Verbraucher bedeutet das vor allem, dass der eigene Vertrag und der regelmäßige Vergleich weiterhin die wirksamsten Hebel bleiben, um die persönliche Energiekostenbelastung im Griff zu behalten.
Quellen: BDEW, Strompreisanalyse April 2026, Verivox, Strompreisentwicklung, Check24, Gaspreisentwicklung, Bundesnetzagentur, Reform der Netzentgeltsystematik (AgNes) und Bundesregierung, niedrigere Netzentgelte 2026. Alle genannten Preise sind Durchschnitts- und Richtwerte verschiedener Quellen und können je nach Region, Anbieter und Verbrauchsprofil abweichen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Finanz-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Zinssätze, Konditionen und Angebote können sich jederzeit ändern. Vor finanziellen Entscheidungen empfiehlt sich eine unabhängige Beratung durch eine qualifizierte Fachperson.